Hochschule Fresenius – University of Applied Sciences
Entwicklungspsychologie
– Zusammenfassung –
Studiengang: Psychologie
Semester: 3. Fachsemester
,Einführung
In welche 3 Hauptarten lässt sich die Entwicklungspsychologie strukturieren?
1. Allgemeinere Theorien
2. Funktionsbereiche (z.B. Gedächtnis, Wissen, Sprache, Intelligenz, Moral, Emotion)
3. Lebensaltersstufen (Pränatale Entwicklung und Geburt, Säuglingsalter und frühe Kindheit, Kind-
heit, Jugendalter, frühes Erwachsenenalter, mittleres Erwachsenenalter, höhere Erwachsenenal-
ter, hohes Alter
Unterscheiden Sie die Begriffe Intra- und interindividuell!
Intraindividuell
= „innerhalb eines Individuums“: ein intraindividueller Unterschied ist zum Beispiel der Unterschied
zwischen zwei Messungen zu zwei verschiedenen Zeitpunkten bei derselben Person.
Interindividuell
= „zwischen zwei (oder mehreren Individuen“. Ein interindividueller Unterschied besteht zum Beispiel
zwischen einer Testperson einer Kontrollgruppe und Experimentalgruppe. Die eine Person erhält ein
Treatment, die Andere nicht.
Erläutern Sie das Experiment „Marshmallow-Test“!
Generationen von Psychologen haben Vorschulkinder mit dem bekannten Marshmallow-Test traktiert.
Die Kleinen mussten vor einer Schale Marshmallows sitzend auf einen Erwachsenen warten und durften
die Süßigkeiten nicht antasten, wenn sie später zur Belohnung eine noch größere Portion bekommen
wollten. Viele halten das nicht lange durch, aber diese Sekunden oder Minuten sollen schon viel über
ihr späteres Leben aussagen: über akademische Leistungen, beruflichen Erfolg, Sozialverhalten, Dro-
genprobleme. So jedenfalls das Ergebnis der klassischen Experimente des US-Psychologen Walter
Mischel und seiner Kollegen zunächst in Trinidad, dann an der Stanford University; und Nachfolgestu-
dien stimmten weitgehend überein. Der Test, so meinte man, erfasst mit der Fähigkeit zum »Beloh-
nungsaufschub« auch die allgemeine Fähigkeit zur Selbstkontrolle.
Fazit: Zukunft eines Menschen kann nicht einfach damit vorhergesagt werden, wie lange er eine Beloh-
nung aufschieben kann.
Definieren Sie Entwicklung nach Trautner (1992) und Kray (2018)!
Trautner (1992): „Entwicklung bezieht sich auf relativ überdauernde intraindividuelle Veränderungen des
Erlebens und Verhaltens über die Zeit hinweg.“
Kray (2018): „Die Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit längerfristigen Veränderungen im Ver-
halten und Erleben innerhalb von Individuen und versucht, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in indivi-
duellen Entwicklungsverläufen zu verstehen.“
,Alter und Entwicklungsstand – warum ist eine Orientierung am Lebensalter bei
der Beschreibung von Entwicklungsverläufen nur begrenzt sinnvoll?
Orientierung am Lebensalter nur dann sinnvoll, wenn es eine hinreichend klare Abgrenzbarkeit der Al-
tersgruppen gibt. D.h. Varianz zwischen den Altersgruppen muss größer sein als Varianz innerhalb der
Altersgruppe.
Aussagekräftiger: Bestimmung des Entwicklungsstandes. Feststellbar mit Hilfe von Entwicklungstests.
Entwicklungstests ermitteln einen Gesamtentwicklungsstand und unterscheiden vielfach zwischen ver-
schiedenen Entwicklungsdimensionen (z.B. kognitive, motorische Entwicklung).
Was sind Aufgaben der Entwicklungspsychologie (allgemein und anwendungsori-
entiert)?
Allgemein: Beschreibung und Erklärung von Entwicklungsphänomenen
Bsp.: Greifen lernen
Beschreibung: Identifikation der Greifbewegungen und Entwicklungsabfolge
Erklärung: Identifikation der Ursachen bzw. die vorausgegangenen Bedingungen für das
Eintreten der Entwjcklungsveränderungen
Anwendungsorientierte Aufgaben
▪ Bestimmung eines aktuellen Entwicklungstrends (Diagnose)
▪ Prognose eines zukünftigen Entwicklungsstandes (Prognose)
▪ Möglichkeit zur gezielten Beeinflussung des Entwicklungsverlaufs (Beeinflussung)
Nennen Sie die 7 Leitfragen des Kindesentwicklung! KLAUSUR
1. Wie wirken sich Anlage UND Umwelt gemeinsam auf die Entwicklung aus?
2. Wie formen Kinder ihre eigene Entwicklung?
3. Inwieweit verläuft die Kindesentwicklung kontinuierlich oder diskontunuierlich?
4. Wie kommt es zu Veränderungen (Mechanismen)?
5. Wie wirkt sich der soziokulturelle Kontext auf die Entwicklung aus?
6. Wann werden Kinder verschieden?
7. Wie kann Forschung das Kindeswohl fördern?
Welche Erklärungskonzepte werden unterschieden?
▪ Reifung
▪ Reifestand
▪ Sensible Phasen/Perioden
▪ Lernen und Erfahrung
▪ Wachstum
▪ Krisen – kritische Lebensereignisse
, Erläutern Sie das Erklärungskonzept „Reifung“!
„Vorgänge, „die spontan aufgrund endogen vorprogrammierter, d.h. durch Vererbung determinierter,
innengesteuerter Wachstumsimpulse einsetzen und in ihrem Ablauf vorwiegend von diesen gesteuert
werden“ (Trautner, 1992, S. 62).
→ Metapher einer Frucht: Sie reift von alleine, benötigt aber Sonne, Regen, etc.
→ Entwicklungspsychologie: Veränderungen werden auf Reifung zurückgeführt, wenn sie universell in
einer Altersperiode und ohne Lernerfahrung im weitesten Sinne auftreten.
Erläutern Sie das Erklärungskonzept „Reifestand“!
→ „readiness for learning“
Bsp.: Kontrolle über Blasenentleerung, Entwicklung der Sprache. D.h. ein Zeitfenster, wann Kinder bereit
sind, etwas zu erlernen.
Erläutern Sie das Erklärungskonzept „Sensible Phasen/Perioden“!
= Entwicklungsabschnitte, in denen bestimmte Organe ausgebildet werden.
▪ Entwicklungspsychologie: Zeitabschnitte, in denen spezifische Erfahrungen maximale Wirkung ha-
ben
▪ Viele sensible Phasen sind durch Stadien der Hirnreifung bedingt
Erläutern Sie das Erklärungskonzept „Lernen und Erfahrung“!
= Entwicklung als Folge von Lernen und Erfahrung.
„Lernen bezieht sich auf eine Veränderung des Verhaltens, die nicht durch angeborene Verhaltensten-
denzen, durch Reifung oder andere zeitlich begrenzte Einflüsse, z.B. Ermüdung und Drogen, erklärt wer-
den kann.“ (Angermeier, 1977, S. 259)
Erläutern Sie das Erklärungskonzept „Wachstum“!
„Veränderungen in einer Entwicklungsvariablen können quantitativer oder qualitativer Art sein. Der Be-
griff Wachstum bezeichnet den quantitativen Aspekt von Entwicklungsprozessen.“ (Trautner, 1992, S.
62) → Mengenzuwachs (z.B. Zunahme der Körpergröße)
Erläutern Sie das Erklärungskonzept „Krisen – kritische Lebensereignisse“!
= Situationen, „in denen sich entscheidet, ob ein Prozess oder eine Entwicklung einen günstigen oder
ungünstigen Verlauft nimmt.“ (Brandstäter, 1982, S. 81)